Viele Leute müssen einen Grossen haben, weil sie einen Kleinen haben. Dabei ist die physische Grösse weniger von Bedeutung. Sondern viel mehr die Gefühlte.
Deshalb müssen viele Leute einen Grossen haben, weil sie eine Kleine haben. Sie denken, wenn sie einen Grossen haben, merkt niemand, dass sie einen Kleinen haben. Dabei wissen sie nicht, dass alle wissen, dass sie eine Kleine haben und denken dass sie einen Kleinen haben, weshalb sie einen Grossen haben.
Denn wüssten sie, dass alle denken, dass sie eine Kleine haben, weil sie einen Grossen haben, würden sie einen Kleinen haben, damit alle denken sie hätten einen Grossen.
Und das ist das Problem mit der Welt. Dass alle denken, dass die anderen denken, was sie denken. Denn dächten sie nicht, was die anderen denken, so würden sie denken, dass es ihnen unbekümmert ist, was die anderen denken, weshalb es keine Rolle spielte, hätten sie einen Grossen oder einen Kleinen – in beiderlei Sinne.
Und so ist es immer. Das Grosse verdeckt das Kleine – niemals umgekehrt! Die Leute dachten also, sie wären schlau, und machten sich das zu nutze, weil alle Welt immer auf das Grosse schaut, nie aber auf das Kleine, das sich hinter dem Grossen verbirgt. Aber stell dir einen Luftballon vor. Er ist erst ganz unscheinbar und klein. Aber bläst man ihn auf, kann er zu einer stattlichen Grösse heranwachsen. Gefüllt mit lauer Atemluft. Die anderen kleinen Luftballone werden daneben völlig klein und mickrig erscheinen – bis man sie ebenfalls aufbläst.
Und weil der Mensch so schlau ist, dachte er sich: “Ich blas mich auf, dann denken alle ich wär ein Grosser.”
Leider hat der Mensch übersehen, dass es auch noch die Nadel gibt. Die kann man nicht aufblasen. Sie wird auch durch nichts grösser, oder kleiner. Sie piekst aber ganz schön gewaltig, wenn man ihr von der richtigen Seite begegnet. Die Unaufgeblasenen stört das wenig. Die kann man höchstens später nicht mehr aufblasen. Und die Aufgeblasenen?
Leider funktioniert alle Welt so, weshalb es viel zu wenig Nadeln gibt. Und die Wenigen haben nicht die Zeit und die Musse alles Aufgeblasene zum Platzen zu bringen. Oder sie sind abgestumpft ob der vielen aufgeblasenen Grösse.
Zum Glück gibt es auch noch Kaktusse. Sie sind sehr bescheiden und pieksen trotzdem ganz gewaltig. Aber ihnen ist es egal, ob ein Aufgeblasener daher kommt und seine Luft entweicht. Der Kaktus trotzt stoisch jeder Unwidrigkeit.
Darum, meine Freunde, pflantzt Kaktusse. Wo immer ihr könnt, wo immer ihr seht, dass etwas getan werden muss. Wann immer einem Grossen seine wahre Grösse vor Augen geführt werden muss. Aber tut es bescheiden und mit Demut. Denn ihr wisst um eure eigene Grösse!