Faktor Mensch

Das konnte ich heute in der Titelzeile einer Zeitung meines Sitznachbarn im öffentlichen Verkehr lesen: “Der Faktor Mensch wird unterschätzt”.

Ich weiss nicht mehr, welchen Teil der Zeitung dies betraf. Betroffen gemacht hat es mich aber alleweil. Es ist die Kernaussage, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Ich versuche mal diesen Satz, in dem wir Menschen eine, wenn auch kleine, zu einem Faktor degradierten, Rolle spielen, genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wir Menschen, also wir Faktoren, die wir multipliziert werden mit Arbeitskraft und Arbeitspensum geteilt durch Ansprüche, passen noch immer nicht ins richtige Schema. Noch immer ist es, leider Gottes so, dass man diesen Faktor schlicht unterschätzt. Lange wurde angenommen, dass dieser klitze kleine Faktor weit unter 1 liegt und somit nicht wirklich einkalkuliert werden muss. Schliesslich gibt es viel wichtigere Dinge, wie Wirtschaftswachstum, Börsenkapitalisierung, Finanzierungskraft, Zentralisierung und nicht zu letzt natürlich Monopolisierung. Da soll das Faktörchen Mensch sicher keine allzugrosse Rolle spielen, schliesslich geht es hier nicht um diesen. Wichtig sind die Produkte und deren Ertrag, den wir dabei erwirtschaften. Wir? Ja richtig, wir Faktoren erwirschaften diesen Ertrag. Dass wir dabei diesem nicht im Weg stehen wollen ist ja sonnenklar, schliesslich fallen wir als Faktor meist nur störend ins Gewicht. Schliesslich brauchen wir leider Gottes noch immer Nahrung und Ruhepausen. Viel besser wäre, man würde uns lästige Faktoren ersetzen durch einen Maschinenpark, den man auch viel besser in ein Schema pressen könnte. So ein Maschinenpark ist ja auch viel seltener krank und braucht keine Sozialfürsorge.

Was mich allerdings ein wenig stutzig macht an dieser Titelzeile ist, dass es eigentlich unsere Welt ist, in der wir ein Faktor sind und damit eine Rolle spielen. Wie hoch müsste also dieser Faktor in etwa sein? Nehmen wir ein Beispiel. Du spielst ein Computerspiel. Leider gefällt es dir nicht besonders, weil der Programmier keinen allzugrossen Wert darauf gelegt hat, ob es jemandem gefallen wird. Dafür ist die Grafik ausgezeichnet, die Bedienungsanleitung hervorragend und das Spiel weist keinen einzigen Fehler auf. Nun, dieses Spiel verkauft sich wohl nicht besonders und später würde dieser Programmierer einen Zeitungsartikel schreiben mit dem Titel: “Der Faktor Mensch wurde unterschätzt.” Weiter unten können wir dann in diesem ausführlichen und detaillierten Artikel lesen, dass nach umfangreichen wissenschaftlichen und von diversen Universitäten begleiteten Studien herausgefunden wurde, dass so ein Computerspiel wohl auch Spass machen müsse. Leider wurde keine dieser Studien bis heute verifiziert und stellen somit fragwürdige Hypothesen dar.

Ja das ist auch wirklich ein grosses Problem. Wir wissen es nicht so genau, ob denn jetzt der Faktor Mensch wirklich wichtig ist für diese Welt oder nicht. Schliesslich sind wir hier auf diesem Planeten anwesend und spielen mehr oder minder grosse Rollen. Mit was für einem Faktor diese Rolle multipliziert werden muss, weiss bis jetzt noch niemand. Dafür müssen wohl erst weitere Untersuchungen und Studien durchgeführt werden.

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