Das Übliche – Frust

Definition nach Wikipedia:
Eine Frustration (von lat. frustra = vergeblich) ist eine Wunschversagung. Frustration entsteht durch Ohnmacht (Differenz zwischen Wunsch und objektiven Möglichkeiten) oder durch Nichterreichen eines gesteckten Zieles aus inneren (Selbstüberschätzung) oder äußeren Gründen (Versagung von Wünschen) durch andere oder sich selbst.

Das Gefühl der Frustration kommt immer auf, wenn ein Lebewesen sich etwas wünscht oder ein Ziel setzt, es dann aber nicht erreicht. Damit ist Frustration eng sinnverwandt mit dem buddhistischen Begriff des Leidens (Dukkha).

Nun, ich würde sagen es trifft es sehr genau, wenn man das Nichterreichen eines Ziels mit Leiden gleichsetzt. Wobei ich natürlich selber der Meinung bin, dass ich nicht sehr schnell beginne zu leiden, nur weil Dinge nicht gleich so gehen, wie ich es mir wünsche. Aber in dem Fall, den ich hier schildern möchte, konnte ich es mir nicht mehr verkneiffen – zu leiden.

Es begann so. Eine neue Version. Viele Probleme beginnen genau da. Mein Problem allerdings beginnt schon vorher. 15 Jahre vorher um es ein wenig weiter auszudehnen. Damals schon, bin ich in Kontakt gekommen mit einer Gerätschaft die der Menschheit das Fluchen noch lehren wollte. Und so hatte die Leidensgeschichte seinen Anfang. Zum Guten allerdings, muss erwähnt werden, dass diese Leidensgeschichte auch mein Gehalt finanziert. Natürlich nicht die Leidengeschichte selber, sondern mein Arbeitgeber, der mich dieses Leiden ohne mit der Wimper zu zucken durchleben lässt.
Und so begab es sich, dass dies was vor 15 Jahren mit Treiberinkompatibilitäten und anderen Inkonsistenzen, Ungereimtheiten, par tout nicht Laufenwollens, oder ganz simplen unerwarteten schwerwiegenden und vor allem – bedrohlichen – Fehlern begann, heute ihre unverblümte Fortsetzung nimmt.

Genau weil die Festplatte nicht erkannt werden will, braucht es eine neue Version. Und zwar eine neue Version von der Software, welche das Wiederherstellen von anderer Software, dem Betriebssystem ermöglichen soll. Nun geht das aber nicht, wenn da keine Festplatte ist. Weil dort drauf müsste ja das Betriebssystem gelangen. Das wäre wie einkaufen ohne Tragtaschen.

Klar, das hat mit Leiden nocht überhaupt nichts gemein und wäre auch sehr mimosenhaft. Trotzdem braucht es diese neue Version. Dass ich die neue Version, welche ich nach Vorabklärungen bereits erhalten haben hätte müssen, noch nicht eingetroffen ist macht mich ein wenig stutzig. Nach weiteren Nachabklärungen steht fest, dass die neue Version noch nicht eingetroffen ist, weil das E-Mail, welches die neue Version beinhaltet, im Spam-Filter hängengeblieben ist.

Auch dies hat mit Leiden nichts zu tun und wäre sehr mädchenhaft. Dass der Link im neuen E-Mail, welches ich erhalte, schlicht nicht funktioniert und erst beim dritten Anlauf und weiteren Telefongesprächen seinen Dienst tut soll hier auch nicht weiter stören. Schliesslich gibt es genug Zeit auf dieser Welt um ein Problem nach dem anderen abzuarbeiten.

So, denke ich mir, ich nutze die Gelegenheit und installiere die Version gleich auf dem Server, was auch Sinn macht. Ein par Fehlermeldungen später muss ich dann feststellen, dass die neue Version nicht auf einem Server lauffähig ist. Auch das macht nichts, denke ich mir, dann bastel ich mir doch eine Workstation als virtuelle Maschine und so soll es dann getan werden. Leider lässt sich diese Virtuelle Maschine nicht installieren wie uns diese vielsagende Meldung preisgibt.

 ERROR_VM

Das Einzige was hier “unknown” ist, wird wohl der Zustand des Programmierers sein, dessen wir uns nie gewahr sein können, als er diese Fehlermeldung schrieb. An diesem Punkt ist schlagartig meine Geduld zu Ende und ich beginne zu leiden. Wie Buddhisten leiden, wenn sie wissen dass dies gut für die nächste Inkarnation sein wird, weil das Leiden stufenweise zurückgestellt wird, bis letztlich nur noch Nirvana übrig ist. Dass Nirvana heute, hier und jetzt bereits zu haben wäre, haben sie übersehen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Für den Leser mag vielleicht schwer nachvollziehbar sein warum mich eine Fehlermeldung derart aus dem Gleichgewicht der inneren Ruhe bringt. Vielleicht hat der geneigte Leser noch nicht sooo viele Fehlermeldungen gesehen in seinem Leben. Oder er klickt diese mit seinem geübten Finger kunsvoll weg, dass das Auge und damit die Seele nichts mitbekommen. Den Rest erledigt dann der Leidensträger hinter jener Ansprechsstelle, bei der auch ich, lieber Leser, zeitweise arbeite.

Auch das macht nichts. Nachdem ich mich wieder beruhigt habe, stelle ich fest, dass das Problem wahrscheinlich auf dem VM-Server selber zu lösen ist. Also mache ich mich ans Werk und versuche mich dort einzuloggen.

ERROR_PUTTY

Meisterhaft und stoisch blicke ich in dieses aufgepoppte Fenster, das ich nun schon seit über 15 Jahren studiere und mich oft, die einzige und meines erachtens wichtigste Frage, die sich ein menschliches Wesen stellen sollte, frage: “Was ist der Sinn des Lebens?” Und während ich dieses weisse Kreuz mit der roten Umrahmung betrachte, nicht gross auf den belanglosen Text nebenan achtend, bewahre ich meine innere Ruhe und werde mir meines eigenen Gewahrseins bewusst. Ich weiss jetzt. Gott möchte, dass ich diesen Text schreibe anstelle der Arbeit wozu ich hier angestellt bin. Und sogleich stelle ich mir die zweite wichtige Frage, die sich ein menschliches Wesen stellen kann: “Ist mein Beruf auch meine Berufung? Oder dient es nur der äusseren Befriedigung um den Kontostand monatlich glatt zu stellen?” 

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