Was einst ganz zaghaft, unschuldig und voller Freude begann, endet nun im abrubten Ende des gegenseitigen Einvernehmens. Ich kann und will dies nicht mehr länger dulden. Meine Nerven liegen blank, die Wut kocht über und mein Unverständnis für diese Drangsaliererei, welche durchaus hausgemacht ist, hat eine Grenze erreicht, die nun masslos überschritten ist.

 Es liegt ja nicht an mir. Tausend und einmal habe ich es versucht. Habe ich Vorschläge gebracht. Einwände hervorgetan. Mich darum bemüht, dass Besserung, Linderung zu einer friedlicheren und liebevolleren Welt führen mögen. Leider hat alles nicht fruchten wollen. Aber wie gesagt, das liegt nicht an mir. Ich habe meine Arbeit getan. Ich habe sie plattgewalzt, in der Dokumenten-Strategie untergehen lassen, oder einfach so getan, als würde ich arbeiten. Das war auch nötig. Bei diesem kümmerlichen Arbeitspensum, welches mir auferlegt wurde. Der Rest wurde von meinem fleissigen Chef in akribischer Schwerstarbeit Warteschlangenmässig auf Vollproduktion geschaltet verarbeitet. Schliesslich ist er eine Roboter-Mensch-Maschine. Und ich meine, was ich damit sage. Seine Intelligenz reicht, um seine Arbeit zu verrichten, sein Haus abzubezahlen, und Geld für seine Kinder und Frau zur Verfügung zu stellen. Leider fehlt es ihm gänzlich an Kreativität und Geist. Anders kann es wohl kaum sein.

Habe ich Ideen eingebracht, wurden sie ignoriert, totgeschwiegen, vergessen, als unwürdig abgetan, als nicht realisierbar deklariert oder schlicht der Machtstruktur geopfert. Nichts, aber auch gar nichts hatte in irgendeiner Form Anklang finden können. Ok, es wurde wenigstens zu Beginn so getan, als sei dies ein guter Vorschlag und es würde daran gearbeitet. Doch letztlich ereilte auch diesem das gleiche Schicksal, wie es aus Berichten von Gleichgesinnten Boreout-Patienten zu hören ist. Das Schicksal des “Nichts wird je geschehen”, weil “es immer schon so gewesen ist”. Wenigstens wird letzeres nicht jedes mal erwähnt, sondern schwingt in seiner sonderbaren Art bei allen Sätzen ganz nebenbei mit, dass jedwelches freudige Aufkommen sogleich erstickt werden möge.

 Wenn ich eine Firma hätte, es gäbe eine Richtline die da hiesse “Die optimale Firma” und sie wäre voller befreiender und schöner Dinge. Wahrscheinlich wäre auch Richtline nicht das richtige Wort. Schon eher Leitfaden. Oder “Buch das die Dinge zum Guten wendet”. Oder einfach “String zur Göttlichkeit”. Aber das ist jetzt wirklich ein anderes Thema.

 Item. Planlos soll es sein. Input output. Oder wie mein Chef zu sagen pflegt: “Garbage in, garbage out”. Ich wette, müsste man einen Roboter programmieren, mein Chef wäre die ideale Vorlage. Spricht kaum, isst kaum, macht keine Pausen, raucht. Letzteres müsste man natürlich der Maschine abgewöhnen.

Ich weiss nicht wie. Aber irgendwie bringt er es eben trotzem. Fast alles kennt er aus dem FF. Zu jedem Thema den aktuellen Stand. Alles existiert nur in seinem Kopf. Nirgends aufgeschrieben, mit niemandem darüber gesprochen. Sitzungen werden beinahe heimlich durchgeführt. Ich kann es daran erkennen, dass er den Blazer und/oder die Kravatte trägt. Dann ist Sitzung. Worüber oder mit wem bleibt für mich im Dunkeln. Genau so dunkel liegt der Rest für mich verborgen. Selbstverständlich, ich habe Zugriff auf alle Systeme und Dokumente, kann mir also quasi zusammenreimen worum es ungefähr geht. Leider ist es mit meiner beschnittenen Kompetenz (Material über CHF 10.– ist Antragspflichtig, auch wenn es im Budget enthalten ist) nicht möglich die kleinste Regung zu vollziehen. Ich bin froh, kann ich urinieren gehen, wenn mir der Sinn danach steht. Der Rest entscheidet mein Chef.

Gut, das war übertrieben. Allerdings stelle ich fest, dass tausend und nochmal tausend Dinge auf eine Liste gesetzt werden müssten, die man ändern sollte. Aber wozu denn? Es funktioniert ja. Und ich mit meiner Arbeitsauslastung von knapp 20% sollte doch froh sein, reisse ich mir kein Bein aus. Das tragische allerdings, ich reisse mir damit mein Hirn aus. Weil es nicht länger gebraucht wird, verwelkt und verdorrt, langsam sein dasein fristet und schrumpft bis es noch dazu ausreicht das Internet abzugrasen nach einem noch langweiligeren Spiel oder noch weniger interessanten durchgekauten von Manipulation durchtriebener News.

Gäbe es einen Plan, könnte ich mich daran beteiligen. Könnte ich mich daran beteiligen, hätte mein Chef weniger Arbeit. Hätte mein Chef weniger Arbeit, würde es nicht mehr lange gehen und ich hätte seinen Sessel unter meinem Hintern und er könnte seine Familie nicht mehr ernähren. So und ähnlich müssen seine Gedankengänge sein, die des Chefs, nicht die des Hintern. Mein H… Ach was. Lassen wir das. Ich mag nicht mehr. Darum hat es jetzt ein Ende gefunden, und ich werde meine kostbare Zeit und meine Kreativität an einem anderen Ort einsetzen. Ich bin gespannt. Freude herrscht.

 PS: Ich soll ja hier noch einen glücklichen Tanz der unbekümmerten Empfängnis eines Gast-Zutritts zu diesem Blogg vollziehen, was ich hiermit gerne tun werde. Ich bedanke mich herzlich bei shihan, der weiss, wozu dies alles gut ist, und was genau damit auch wieder gut werden soll ;-)

Ein Kommentar bis “Der planlose Chef”

  1. Shihan sagt:

    Danke Chris, für deinen Gastbeitrag und mögest du uns auch in Zukunft mit weiteren Interessanten Geschichten aus deinem Leben bereichern :-)

    Gruss, Shi

Eine Antwort schreiben

Additional comments powered by BackType